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                        Blog: über die Naturfilmerei
making-of"Wir sehen was, was du nicht siehst",

so lautet der Beitrag des Naturschutzbundes NABU im Kreis Soest zur Umweltbildung, für den ich seit Anfang der 1990ger Jahre aktiv bin. Im Team mit Reinhold Lodenkemper dokumentieren wir vor allem die Tier- und Pflanzenwelt im Naturschutzgebiet Zachariassee und im Biotop "Tonkuhle Esbeck", beides im Raum Lippstadt (NRW). Wir haben den Auftrag zum Biotopmanagement und die Genehmigung für Film- und Bildaufnahmen im NSG von der zuständigen Naturschutzbehörde beim Kreis Soest. Für den Kreis Soest ist auch die DVD-Produktion "NSG-Zachariassee - mehr als nur ein Baggersee" entstanden, die auch hier angesehen werden kann. Die Produktion der Videoclips mache ich ehrenamtlich und mit Leidenschaft.

Kenntnis der Tier- und Pflanzenwelt

und ihre Veränderung im Laufe des Jahreszyklus ist Voraussetzung, um solche Bilder einzufangen. Dabei steht für uns immer der Schutz der Tier- und Pflanzenwelt im Vordergrund. Die Schutzgebiete sind nur an den Beobachtungs- und Aussichtspunkten in geschützten Holzhütten öffentlich zugänglich. Sehr viele der Bilder und Szenen sind von hier aus gemacht worden. Monitoring und das Management in den Schutzgebieten geben uns aber auch die Möglichkeit, in den nicht öffentlich zugänglichen Bereichen Video- und Fotoaufnahmen zu machen. So wird es möglich, einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen, welchen Wert solche Schutzgebiete für den Erhalt der heimischen Artenvielfalt haben. Und um es hier vorweg zu nehmen: Wie dürfen keine Genehmigungen für Foto- und Videoexkursionen in die Schutzgebiete erteilen!

Am liebsten würden wir uns unsichtbar machen
D
as gelingt sogar ganz gut mit Tarnzelt-, Netzen- und Kleidung. Außerdem sind unsere Kameras klein und geräuschlos und dabei ziemlich leistungsfähig (unten mehr dazu). Das gesammelte Bildmaterial ist aber noch kein Videofilm. Die eigentliche Arbeit beginnt am digitalen Schnittplatz. Dabei besteht die Kunst darin, Bilder und Szenen weg zu lassen, auch wenn sie einem nach der Aufnahme besonders am Herzen liegen. Man kann eben den Sandlaufkäfer auf der sommerheißen Sandfläche nicht 3 Stunden lang zeigen, obwohl das mitgebrachte Filmmaterial dies hergeben würde. Das bedeutet, die interessantesten Szenen finden und eine Geschichte aus den Bildern machen, die sich möglichst von selbst erzählt.

Der Sound der Natur und der gute Ton,
auf den es ebenfalls ankommt, ist nicht ohne Aufwand zu haben. Leider ist auch ein Schutzgebiet wie das NSG-Zachariassee keine akustische Insel. Unsere Ohren und das Kameramikrofon nehmen alles auf. Sie machen keinen Unterschied zwischen dem Gesang der Vögel, dem Plätschern am Seeufer, dem Verkehrslärm der nahen Landstraße, dem Rattern des Mähdrescher, den Flugzeugen vom nahen Regionalflugplatz oder den Erzählungen der Gäste in der Beobachtungshütte - mit einem Unterschied: Unser Gehirn filtert die Geräusche nach "Interessant" und "Unwichtig". So verschwinden die Störgeräusche scheinbar und es bleiben die Naturgeräusche im Bewusstsein, wenn wir einem Vogel lauschen.
Diese "Gehirnarbeit" müssen Filmemacher dem Betrachter abnehmen. Deshalb geben die Videofilme nur die Geräusche wieder, die für die gewünschte Bildstimmung wichtig sind - und das ist mitunter aufwändiger, als die Filmaufnahmen selbst:

Es geht nicht ohne Trickserei, denn technisch können wir Vorder- und Hintergrundgeräusche nicht sauber trennen. Ein Beispiel dazu:
In dem Video "Herbstmeditation" ist ein Silberreiher zu sehen, der am Ufer eines Weihers entlang schreitet. Die Aufnahmen sind aus der Beobachtungshütte am "Bleidiger Weg" gemacht. Ortskundige wissen, dass hier ohne langes Teleobjektiv nichts zu machen ist. Für den Betrachter des Videos sind wir jetzt ganz dicht an dem Reiher. In einer Einstellung sehen wir seine Füße in Nahaufnahme. Mit äußerster Vorsicht durchschreitet er die Zweige und trockenen Binsen am Ufer. Aus dieser "gefühlten" Nähe erwartet man die Wahrnehmung passender Geräuschen - aber genau das geht eben nicht. Da ist Wind, da sind alle die Störgeräusche aus der Umwelt. Die Lösung: Das erwartete Geräusch muss nachträglich eingefügt werden. Wie aber hört es sich ganz aus der Nähe an, wenn ein Reiher durchs Ufergestrüpp schreitet und wie kann man das Geräusch überzeugend nachmachen? 
Ein guter Koch oder Bäcker verrät die letzten Geheimnisse seiner Gewürzmischungen nicht - und so halte ich es auch. Schauen und hören Sie sich die Szene an, wiederholen Sie die Stelle mit geschlossenen Augen und stellen Sie sich vor, welches Geräusch Sie da wirklich hören. Oder ist Ihnen noch gar nicht bewusst geworden, dass da überhaupt ein Geräusch ist? Dann ist es um so besser...
Wir sehen und hören, was wir sehen und hören wollen. Als Filmemacher manipuliere ich Sie dabei. Aber keine Sorge, alle Aufnahmen aus den Schutzgebieten sind echt, eben "Natur vor der Tür".

Hier spielt die Musik:
In vielen der Videoclips hören Sie Musikkompositionen von Lutz Gerlachs CDs. Der Komponist und Pianist lebt und arbeitet an der Ostsee. Er betreibt in der Künstlerkolonie Ahrenshoop die Klanggalerie "Das Ohr". Hier wird Musik produziert und in einem kleinen Konzertsaal zusammen mit seiner Partnerin Ulrike Mai an zwei Flügeln auch aufgeführt. Die in den Videos zu hörenden Musikstücke sind mit seiner ausdrücklichen Genehmigung Teil der Videos geworden. Das ist nicht selbstverständlich und verdient meinen besonderen Dank. Wenn Sie sich für die Musik und die CD-Produktionen interessieren, dann finden Sie mehr davon unter  Lutz Gerlach  www.lgm-records.de.
Die anderen Musikstücke sind eigens für das jeweilige Video arrangiert. Ein aufwändiges Beispiel finden Sie in dem Video "unser NRW - natürlich". Ab 1Minute und 20 Sekunden Laufzeit landet ein Eisvogel (Zeitlupe) mit einem Fisch auf einem Ast. Der Fisch wird, bevor er  - Kopf voraus - ins Nest geflogen wird, durch Schläge auf den Ast betäubt. Die unterlegte Musik verstärkt die Bilder geradezu extrem durch völlig synchrone Einsätze der Streicher aus einem virtuellen Orchester.

Film und Bild als lebenslange Leidenschaft 
Als Zehnjähriger hat mich die Fotografie schon fasziniert, mit einer AGFA-ISO-Rapid habe ich die ersten Fotos gemacht und bin damit schnell an ihre und meine Grenzen gestoßen. Eine vollautomatische Braun-Paxette machte was sie wollte und ich wollte wissen, wie sie das machte. Das war das Ende der Kamera und die Technik begann mich zu faszinieren. Mein späterer Ausbildungsleiter und Chef in einem Chemielabor (Herbert Lieschke) schenkte mir zum Geburtstag ein Anleitungsbuch zur Fotografie, es steht noch heute als "Meilenstein" in meinem Regal. Mein Lehrlingsgehalt erlaubte die Anschaffung einer betagten Zeiss-Ikon Balgenkamera mit Tessar-Objektiv (2,8 / 85mm), Compur-Verschluss und 4,5X6cm Negativen auf 120Rollfilm - damit waren die Möglichkeiten zum Experimentieren geschaffen. Die Filmerei begann als Student mit Super-8 Filmen, umgebauten Kameras aus dem Kaufhaus, die auf ein Mikroskop adaptiert wurden. Das Fließen der Blutkörperchen in den Kapillaren eines Kaulquappenschwanzes war einer der filmischen Höhepunkte. Seit dem hat sie mich nicht mehr losgelassen - die Fotografie und die Filmerei.  
Die Profis unter den Naturfilmern erledigen die sog. "Postproduktion" ihrer Filme in professionellen Studios, unterstützt von Komponisten und Cuttern an ihren Hochleistungsrechner. Wir Amateure sind davon weit entfernt, vor allem was die Produktionskosten angeht. Was die moderne Kamera- und Computertechnik uns an Möglichkeiten zur Verfügung stellt, ist beeindruckend. Die Ergebnisse aber hängen wie bei jeder Kunst in erster Linie davon ab, was man mit dieser Technik macht und wie man sie für seine Ziele nutzt. Auch ein guter Kochtopf garantiert noch keine schmackhafte Mahlzeit.
Aktuell arbeite ich mit Panasonic-Kameras (Typ GH4 / GH5), die technisch mehr zu bieten haben, als ich zur Zeit nutzen kann. Dazu kommen Stative (Sachtler), diverse Objektive (Lumix, Leica, "Analogzeiten-Linsen"), die auch in der Dämmerung noch gute Bilder liefern. Im Labor- und Heimstudio stehen mir ein Zeiss-Mikroskop und diverse Hilfsmittel für Makro- und Lupenaufnahmen zur Verfügung. Die Endbearbeitung erfolgt am PC mit Software wie "Video Pro X" in seinen aktuellen Versionen. Bei den Fotobearbeitungen verlasse ich mich seit 20 Jahren auf "Photopaint" (Corel) und arbeite dabei gerne mit einem digitalen Zeichentablett. Ich bin der Auffassung, dass es weniger auf den Hersteller solcher Produkte ankommt als auf die Routine, die man im Umgang mit den Werkzeugen entwickelt hat, das Ergebnis zählt und der berufliche Ruhestand (und meine Familie) gewährt mir die Zeit zu alldem.

Noch Fragen?  Dann einfach eine Mail schreiben.

Peter Hoffmann